ABC der Einfachen Sprache

Einfache Sprache soll von möglichst vielen Menschen gut verstanden werden. Wie lässt sich das erreichen? Sehen wir uns die Einfache Sprache näher an: Für wen ist sie gedacht? Was kennzeichnet sie? Welche anderen Formen verständlicher Sprache gibt es? Und wo ist mehr zu erfahren?

 >>> Literatur zu Einfacher Sprache

Für wen ist Einfache Sprache gedacht?

Einfache Sprache ist nützlich für viele, die gerade Deutsch lernen oder normale deutsche Texte schwierig finden. Dazu gehören Menschen mit einer anderen Muttersprache, aber auch Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche, mit Lesestörung oder mit geringer Schulbildung. Der Bedarf ist groß: In Deutschland sind rund 7,5 Mio. Menschen sogenannte funktionale Analphabeten: sie können zwar einzelne Wörter oder Sätze lesen, aber Texte nicht eigenständig erschließen; weitere 13 Mio. scheitern an fachlichen Texten (vgl. leo-Studie 2011). Zudem ist für etwa 1 Mio. Menschen in unserem Land Deutsch die Zweitsprache (vgl. RAM-Studie 2008). Darüber hinaus kann Einfache Sprache auch Jugendlichen und alten Menschen zugute kommen.

Was kennzeichnet Einfache Sprache?

Einfache Sprache ist vielgestaltig. Sie beginnt mit Texten, die schlicht, klar und verständlich geschrieben sind (nahe an Klarer Sprache), und reicht bis zu stärker vereinfachten Texten (nahe an Leichter Sprache). In jedem Falle jedoch folgt Einfache Sprache ausnahmslos den herkömmlichen Regeln in Grammatik und Rechtschreibung.

Für Einfache Sprache sind folgende Merkmale typisch (zusammengestellt aus der vergleichenden Übersicht Angebote in Einfacher Sprache):

  • Kurze Wörter: zusammengesetzte Wörter möglichst auflösen oder Bindestriche (soweit üblich) setzen;
  • Verständliche Begriffe: Grundwortschatz; möglichst keine Abkürzungen, keine Fachbegriffe oder Fremdwörter (wenn nötig, erklären);
  • Einfache Grammatik: starke Verben (statt Substantiv + schwaches Verb); möglichst Aktiv statt Passiv; selten Konjunktiv;
  • Kurze Sätze mit einfacher Struktur: etwa bis 15 Wörter pro Satz; möglichst Subjekt – Prädikat – Objekt; höchstens ein Nebensatz; kein Schachtelsatz;
  • Übersichtlicher Text: logisch aufgebaut; in kleine Absätze untergliedert; mit Zwischenüberschriften und Hervorhebungen;
  • Gut lesbare Schrift: serifenlose Buchstaben, Schriftgröße ab 12,  große Zeilenabstände (möglichst 1,5);
  • Deutliche Fotos und Zeichnungen, die zum Text passen.

Zu den Einsatzgebieten für Einfache Sprache gehören Nachrichten, Behördentexte, Informationen aller Art, aber auch Literatur. Texte werden entweder in Einfache Sprache übertragen (den Hauptaussagen des Originals entsprechend) oder in Einfacher Sprache neu formuliert.

Welche anderen Formen verständlicher Sprache gibt es?

Neben der Einfachen Sprache gibt es die Leichte Sprache. Diese wurde  für Menschen entwickelt, die fast gar nicht lesen können, meist infolge einer Behinderung. Leichte Sprache ist stark vereinfacht und genau geregelt (u.a. nur bekannte Wörter, kein Genitiv, kein Konjunktiv, maximal acht Wörter pro Satz, nur eine Aussage im Satz, keine Nebensätze, nach jedem Satzzeichen eine neue Zeile, große Schrift). Leichte Sprache ermöglicht den Menschen, an der Gesellschaft teilzuhaben. Sie ist wichtig als Gruppensprache für die barrierefreie Kommunikation.

Vieles hat die Einfache Sprache mit der Klaren Sprache oder Verständlichen Sprache (beziehungsweise ‚bürgernahen Sprache‘) gemeinsam. Bekannt ist die  Klartext-Initiative der Universität Hohenheim: Sie lässt Beamten- und Kanzleideutsch aus Texten verschwinden und ermöglicht leserfreundliche Patienten-Informationen. Die Basisregeln sind in einer Klartext-Checkliste zugänglich. Die Textbearbeitung wird von einer Software (TextLab) unterstützt. Einfache, Klare und Verständliche Sprache fügen sich in die weltweite Plain Language.

PS: Wir schreiben hier alle drei Begriffe (als gleich-wichtig!) groß: Leichte, Einfache, Klare und Verständliche Sprache. Allgemein üblich ist das für die ‚Leichte Sprache‘; hingegen findet man für die anderen Sprachformen auch die Kleinschreibung.

>>> Literatur zu Einfacher Sprache